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Lesen kann man (fast) immer und überall

Lesen kann man fast immer und überall - im Garten, am Meer, mit Blick auf die Berge, unter´m Sonnenschirm ... an einem langen Wochenende, an einem freien Tag, mal zwischendurch ...

Der Zopf meiner Großmutter

Von Alina Bronsky

Der  „Zopf meiner Großmutter“ ist die Geschichte einer russischen Patchworkfamilie in einer deutschen Kleinstadt.

Am Anfang kommentiert Enkel Max, aus dessen Perspektive der Roman geschrieben ist: "Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als mein Großvater sich verliebte... Ich ahnte, dass die Großmutter nichts davon mitkriegen sollte. Sie hatte schon bei geringeren Anlässen gedroht, den Großvater umzubringen, zum Beispiel wenn er beim Abendessen das Brot zerkrümelte."

Margarita Iwanowna, die Großmutter wollte raus aus der zerfallenden Sowjetunion. Sie wollte es unbedingt, weil sie dort für sich, ihren schweigsamen Mann und ihren aus ihrer Sicht schwachsinnigen Enkel keine Zukunft mehr sah. Sie  nahm ein Schlupfloch, das gar nicht für sie bestimmt war, erfand eine jüdische Verwandte und setzte mitsamt Tschingis und Maxim als Kontingentflüchtling über in den Westen.

In die hessische Provinz, wo sie im Flüchtlingswohnheim ein hart-herzliches Terrorregime errichtet. Iwanowna wettert über das deutsche Schulsystem, die deutschen Süßigkeiten, ihre Mitmenschen und deren Religion und beschützt als Helikoptergroßmutter ihren einzigen Enkel vor dem schädlichen Einfluss der neuen Welt. So bekommt sie erst als Letzte mit, dass ihr Mann sich verliebt hat. Was für andere Familien das Ende wäre, ist für Max und seine Großeltern jedoch erst der Anfang.

Bronsky hat einen Roman über eine Frau geschrieben, die versucht, in einer Gesellschaft Fuß zu fassen, die ihr entgleitet. Über einen Mann, der alles kontrollieren kann außer seine Gefühle. Über einen Jungen, der durch den Wahnsinn der Erwachsenen navigiert und zwischen den Welten vermittelt. Und darüber, wie Patchwork gelingen kann, selbst wenn die Protagonisten dieses Wort überhaupt nicht kennen.

Kaum jemand kann so böse, so witzig und rasant von eigenwilligen und doch so liebenswerten Charakteren erzählen wie Alina Bronsky: 

Ein trauriges Buch, ein lustiges Buch, wie beinahe alle Bücher von Alina Bronsky.